Schon im November 2008 war ein angeblich während der Pinochet-Diktatur Verschwundener wieder aufgetaucht: German Cofre, der von den Schergen Pinochets verhaftet und verhört worden war, gelang es später, nach Argentinien zu fliehen und sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Seine (inzwischen verstorbene) Frau in Chile beantragte eine Entschädigung und mehrere Zehntausend US-Dollar ausgezahlt. Die Frage ist, ob Cofres Familie wusste, dass er jenseits der Anden lebte, oder ob sie tatsächlich glaubte, ihr Vater und Ehemann sei erschossen worden.

Nun sorgen weitere Fälle für Aufregeung: der des Journalisten Juan Manuel Bertoló z.B., von dem es bisher hieß, er sei auf einer Polizeiwache in San Antonio gestorben. Seine Tochter dagegen berichtet, ihr Vater sei an einem Herzinfarkt gestorben, nachdem er auf einem Fest zu viel getrunken habe.

Auch Carlos Patricio Rojas stand auf der Liste der Opfer der Diktatur. Er wurde als Kommunist tatsächlich verfolgt, floh aber 1977 von Calama aus nach Argentinien. Dort gründete er eine neue Familie. Wieder ist die Frage, in wie weit seine Familienangehörigen in Chile über diese geglückte Flucht im Bilde waren, als sie 2005 eine Entschädigung beatragten.

In drei Fällen ist die chilenische Regierung inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass sich Familienangehörige angeblich Verschwundener zu Unrecht Entschädigungen erschlichen haben.

Die Affäre ist ein gefundenes Fressen für die rechte Opposition. Sie fordert eine Neubewertung der Vergangenheit und erklärt Pinochet für „faktisch unschuldig“. 2009 stehen Wahlen an und die Opposition hofft, mit diesem Thema Stimmen gegen die sowieso schon angeschlagene Präsidentin Bachelet sammeln zu können.

Michelle Bachelet, die selber Tochter eines während der Dikatur zu Tode gekommenen Generals ist, wehrt sich dagegen, dass jetzt wegen einiger isolierter Fälle von Missbrauchs die Opfer der Pinochet-Regierung diskreditiert werden sollen.

Auf dieser Seite der chilenischen Regierung lassen sich die einzelnen Fälle (auf Spanisch) nachlesen

Tags: , ,

Leave a Reply

You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Comments links could be nofollow free.