Auch wenn das Buch „Die Hölle“ von Luz Arce schon einige Jahre auf dem Buckel hat, ist es immer noch aktuell. Ich habe es vor etwa zehn Jahren zum ersten Mal gelesen und jetzt noch mal aus dem Bücherregal gezogen. Damals wie heute ist der Bericht von Luz Arce über die Jahre, die sie gezwungener Massen im Geheimdienst der Pinochet-Dikatur, der DINA (Dirección Nacional de Inteligencia) arbeitete, beeindruckend und beklemmend.

Die alleinerziehende Mutter eines kleinen Jungen schließt sich Ende der 70iger Jahre den Sozialisten um Salvador Allende an. Nach dem Militärputsch wird sie wie viele ihrer Genossen, verhaftet und von der DINA gefangen gehalten. In der Haft erleidet sie schwere Folterungen und als die DINA auch ihren Bruder verhaftet und damit droht, ihn umzubringen, erklärt sie sich zur Kollaboration mit der DINA bereit.

Ihr Bericht über ihre Jahre als DINA-Agentin sind deshalb so beklemmend, weil man sich als Leser unwillkürlich die Frage stellt, die man selber wohl mit dieser Situation umgegangen wäre.

Nach ihrer Entlassung aus dem Polizeidienst 1985 geht sie für einige Zeit ins Ausland, kann aber den quälenden Selbstvorwürfen und den psychischen Folgen ihrer Haft nicht entfliehen. Sie entschliesst sich, nach Chile zurück zu kehren und dort vor der Komission für Versöhnung und Wahrheit, der Rettig-Komission auszusagen. Obwohl sie deshalb verständlicherweise einiges an Anfeindungen ertragen musste, half ihr diese Aussage wohl massgeblich dabei, mit sich selber ins Reine zu kommen.

Da sie, anders als die anderen Opfer der Diktatur, deren Aussagen die Rettig-Komission sammelte, während ihrer Jahre als Agentin der DINA umfassende Einblicke in die Struktur der Organisation gewinnen konnte und auch Zeugin vieler Verbrechen geworden war, konnte sie umfassend zur Aufklärung beitragen.

Wer sich umfassend zum Thema Pinochet-Dikatur und den Menschenrechtsverbrechen, die damals stattgefunden haben, informieren möchte, ist mit diesem Buch gut bedient!

Umfassendes Informationsmaterial (auf Spanisch) findet man auf der Seite Memoria Viva, auf der neben einer kompletten landesweiten Auflistung aller Dependancen der Politischen Polizei auch weiter nach dem Schicksal der Verschwundenen geforscht wird.

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