Wie sieht es in Chile fast fünf Monate nach dem verheerenden Erdbeben aus, das die Region um Concepción am 27. Februar 2010 erschüttert hat? Auch wenn das Auswärtige Amt immer noch von Reisen in die Erdbeben-Region ab rät, ist dort inzwischen anscheinend viel passiert.
Nach Angaben der örtlichen Fremdenverkehrsämter sind größere Verbindungsstraßen repariert und wieder in Betrieb. Das gilt natürlich besonders für die Ruta 5. Auch die Krankenhäuser funktionieren ohne Probleme, entweder sind sie schon wieder in Stand gesetzt oder in Ausweichunterkünften untergebracht.
In Temuco gab es einige Schäden, die aber inzwischen nach Angaben der Stadtverwaltung weitgehend behoben worden sind. Krankenhäuser etc. funktionieren, auch die Zugangsstraßen sind instand gesetzt. Hotels, die bei dem Beben beschädigt worden waren, sind wieder repariert.
In Concepcion wurde vor wenigen Tagen die Kathedrale, die bei dem Erbeben beschädigt worden war, wieder für das Publikum geöffnet.
Die Zugangsstraße 160 nach Lota, die schwer beschädigt worden war, funktioniert inzwischen wieder. Auch der Parque de Lota und die Mina de Carbon (Chiflon del Diablo), die beiden wichtigsten touristischen Attraktionen der Stadt, waren bei dem Beben stark in Mitleidenschaft gezogen worden, werden aber nach Angaben des Bürgermeisteramts im September 2010 wieder eröffnet.
In Talca wurde der historische Stadtkern und die Plaza de Armas schwer beschädigt. Hotels und Straßen sind weitgehend wieder instand gesetzt, das Hospital wurde in ein von der italienischen Regierung spendiertes Spezial-Zelt ausgelagert, so lange bis das neue Krankenhaus fertiggestellt ist. Fotos von den Auswirkungen des Erdbebens in Talca hier.
An der Zentral-Chilenischen Küste sind die Auswirkungen des Erdbebens teilweise auch für Laien gut zu erkennen: in weiten Teilen hat sich die Küste um mehrere Meter gehoben. Der Spiegel hat einen interessanten Artikel mit einer anschaulichen Fotostrecke zum Thema
Der Tsunami, der durch das Erdbeben am Meeresgrund ausgelöst wurde, hatte auch Auswirkungen auf die marine Flora und Fauna, wie jetzt Biologen von der Universidad Catolica in Santiago feststellten. Ein Hauptgrund für die Beeinträchtigungen des marinen Lebens ist die Anhebung eines ganzen Küstengebiets um bis zu 3,4 m. Durch diese Anhebung sind die Samen einer Algenart, die am Anfang der Nahrungskette steht, der Sonne ausgesetzt worden und haben sich dadurch sehr schnell entwickelt und dann abgestorben. Durch das Fehlen dieser Algen sind vor allem die Muscheln und Seeigel betroffen, die in dieser Region auch wirtschaftlich genutzt werden. Dazu kommt, dass das Habitat dieser Tiere durch die Anhebung des Landes kurzfristig einfach verschwunden ist. Die Biologen schätzen, dass es drei bis vier Jahre dauern wird, bis sich der Meeresboden wieder soweit regeneriert hat, das sich die Population der wieder erholt hat.
Offensichtlich haben die Menschen in Chile immer noch Angst: der Verkauf von Antidepressiva ist in Chile direkt nach dem Beben um 30 % gestiegen und auch jetzt, fünf Monate später werden immer noch viel mehr stimmungsaufhellende Medikamente verkauft als vor dem Erdstoß.
Das Auswärtige Amt rät immer noch von touristischen Reisen in das Kerngebiet des Erbebens ab, einerseits, weil die Infrastruktur immer noch nicht komplett wieder instand gesetzt ist, andererseits weil es bis zu einem Jahr nach dem Beben zu Nachbeben kommen kann.
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